Moderne Macherinnen mit starker Gemeinschaft und Tradition

Landesvorsitzende Sibylle Klug im Interview zum 25. Erntekronenwettbewerb

Das Landeserntedankfest steht vor der Tür. Sachsen-Anhalts stärkstes Frauennetzwerk im ländlichen Raum, der Landfrauenverband Sachsen-Anhalt, veranstaltet zum Erntedank bereits den 25. Erntekronenwettbewerb.

Das diesjährige Motto: Modern trifft Tradition.

Landesvorsitzende Sibylle Klug ist engagierte Landfrau seit 30 Jahren und leidenschaftliche Landwirtin. Sie weiß, warum es sich lohnt die Erntekronen-Tradition zu pflegen und es ebenso wichtig ist, als Verband neue Wege zu gehen, wie das Interview zeigt.

25 Jahre Erntekronenwettbewerb ist eine beachtliche Zeit. Warum legen die Landfrauen so viel Wert auf Erntekronen?

Durch das Binden einer Erntekrone werden Werte vereint, für die wir Landfrauen stehen. Zum Beispiel spiegeln die Kronen das Erntejahr und den Dank für die Gaben der Natur wieder. Uns allen ist klar: Eine reiche Ernte ist keine Selbstverständlichkeit. Früher waren Erntekronen deshalb vielerorts Höhepunkt im dörflichen Leben. Heute sind wir Landfrauen eine starke und engagierte Gemeinschaft, die sich für ein lebenswertes Miteinander in Sachsen-Anhalt einsetzt – auch alles andere als selbstverständlich. Somit steht der Erntekronenwettbewerb stellvertretend für unseren ehrenamtlichen Einsatz für ein lebendiges Dorfleben in Sachsen-Anhalt. Er steht aber auch für den so wichtigen Zusammenhalt in unserem Landfrauennetzwerk und die Dankbarkeit darüber.

„Modern trifft Tradition“ lautet das diesjährige Wettbewerbs-Motto. Was steckt dahinter?

Dahinter verbirgt sich ein ambitioniertes Ziel, denn mit dem Wegfall üblicher Kriterien wie Bindetechnik, Material und Verarbeitung möchten wir neue Teilnehmer*innen direkt ansprechen. Wir möchten die Tradition für nachfolgende Generationen bewahren, gleichzeitig Hemmschwellen abbauen und die Kreativität fördern. Deshalb ist in diesem Jahr, dass die Form einer Krone bzw. eines Kranzes klar erkennbar ist, das einzige Kriterium. Wir wissen: Um auch zukünftig viele Erntekronenbinder*innen zu begeistern, ist es wichtig neue Wege im Wettbewerb zu gehen, sich modernen Varianten zu öffnen und so auch jüngere Frauen für das Erntekronebinden und die Vereinsarbeit zu gewinnen.

 

Inwiefern gilt das Motto Modern trifft Tradition“ auch für den Landfrauenverband?

Das Motto gilt selbstverständlich für das gesamte Verbandsleben. Schließlich sehen sich die Landfrauen öfter mit dem Klischee konfrontiert, sie backen nur Kuchen.

Ohne Frage backen wir sehr gut und gerne Kuchen.

Aber: Wir bringen damit auch Menschen zusammen und fördern so die Gemeinschaft im ländlichen Raum. Auch auf andere Weise setzen wir das Motto um. Wir greifen aktuelle Themen auf, sind politisch aktiv, gestalten Veranstaltungen oder entwickeln Projekte neu.

Leben ist stetiges Vorangehen und das gilt für den Erntekronenwettbewerb genauso wie für das Landfrauen-Vereinsleben

Trotzdem ist es wichtig, die Wertschätzung für das Traditionelle nicht zu verlieren. Das hat auch die Pandemie verdeutlicht. Natürlich waren wir aufgefordert unser Vereinsleben zu verändern und moderner zu werden. Vorstandsitzungen finden jetzt beispielsweise digital statt, was definitiv die Spontanität für ein Treffen fördert. Dennoch kann die Digitalisierung das Zwischenmenschliche nicht eins zu eins ersetzen. Wir konnten zum Beispiel unsere Ernährungsprojekte in Kitas und Schulen oder das neue Landesprojekt „Sag nein zu Plastik“ über Monate leider nicht durchführen. Dabei ist gerade das Thema Ressourcenschonung absolut aktuell. Fakt ist: Plastik ist überall.

 

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