Pollebener Landfrauen im Workshop „Sag nein zu Plastik“

Ein Bericht von Christin Simonsen

Bei hochsommerlichen Temperaturen von 36 Grad stellten die Pollebener Landfrauen am 25.07.2022 im kühlen Pfarrhaus des Ortes die Bügeleisen heiß. Was ging da ab?
Die Landfrauen, die in „vielen Schuhen aktiv sind“, luden zum Workshop ein. In dieser Zeit sind bei ihnen neben den traditionellen, ländlichen auch Umweltthemen in den Mittelpunkt gerückt. An diesem Nachmittag wollten sich die Frauen austauschen rund um das Thema „Sag nein zu Plastik“.
Zunächst sah es im Treff im Pfarrhaus eher aus, wie in einer Schneider-werkstatt. Es wurden viele mitgebrachte, bunte Baumwollstoffe ausgebreitet (manches aus alter, stiller Aussteuer-Reserve). Dazu kamen Scheren, Bügelbretter und Bügeleisen. Ein Duft von Honig und warmen Bienenwachs zog durchs ganze Haus. Unter Anleitung lernten die Landfrauen sich hier praktische Bienenwachs-Tücher selber herzustellen, um sie im Haushalt als Alternative zu Folie und Co zu verwenden.
Vor dem Loswerkeln ging es noch in einen lockeren Austausch über den Sinn des Ganzen und was jeden zum Thema Plastik bewegt. Fragen wie: Wo verschmutzt Plastik unser Lebensumfeld? Wie reichert es sich in unseren Böden, Lebensmitteln und unserem Trinkwasser an? Wieviel Verpackungsmüll, entsprechend gelbe Säcke, haben wir noch in unseren Haushalten. Wieviel Hygienemüll entsteht täglich in unserer modernen Gesellschaft? Kann uns ein ausgefeiltes Mülltrennungs- und Entsorgungssystem von jedermanns Verantwortung für die auflaufenden Müllberge entbinden?
Einig waren sich alle, dass Gewohnheiten zu ändern sind und bewusstes Hinschauen schon beim Einkauf wichtig ist. Unverpacktes einkaufen, regional, saisonal und natürlich. Auch Produkte aus eigenem Anbau und eigener Herstellung haben Trumpf. Auch sahen die Frauen deutliche Hindernisse, Plastik einzusparen. Viele müllbelastete Produkte sind billig zu erwerben, während Unverpacktes oft den höheren Preis hat. Auch vielverpacktes „Bio“ erscheint umstritten.
Gute Tipps zum Einsparen von Plastik waren, Haushaltsreiniger aus wenigen Grundzutaten selbst zu mischen, den guten alten Einkaufsbeutel/ Netze dabeizuhaben, Gläser und Papiertüten für die Vorratshaltung mehrfach zu nutzen.

Vorratshaltung – da schloss sich der Kreis bei der Frage: Welchen Vorteil hat nun die Verwendung von Bienenwachs-Tüchern?

1. Upcycling – alte Baumwollstoffe werden einer neuen Verwendung zugeführt
2. Ökologisch – natürlicher Bienenwachs wird zum Tränken der Baumwolltücher benutzt. Dadurch werden die Tücher feuchtigkeits- und schmutzabweisend, abwischbar, anschmiegsam und lange wiederverwendbar.
3. Individuell und handgemacht – was ich selbst hergestellt hab, kann ich besser in meinen Haushalt integrieren. Die Wachstücher sind Unikate und einfach herzustellen.Sie sind auch wunderbar in mehreren Größen, Formen und Designs zu verschenken.

An diesem Nachmittag wurden unzählige Wachstücher aus der Taufe gehoben. Die Polleberinnen wissen jetzt, wie´s gemacht wird. Sie haben nun umweltfreundliche Möglichkeiten, Brot zu verpacken, Speisen und Vorräte abzudecken.
Nach dem Handwerklichen gab es zur Gaumenfreude noch selbstgebackenen Streuselkuchen und einen guten Kaffee, wie es sich nach Landfrauenart gehört.
Ein großer Dank geht an die Geschäftsstelle der Landfrauen in Magdeburg, die das Projekt „Sag nein zu Plastik“ mit Anleitung und tollen Materialien unterstützt.

 

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